Der Facebook Algorithmus

Der Facebook Algorithmus lässt sich nicht ändern. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist, dass sich die Ergebnisse sehr wohl beeinflussen lassen.

Screenshot vom Facebook-Algorithmus Hoax
Beispiel für den Facebook-Algorithmus Hoax

Seit Monaten taucht immer wieder ein Kettenbrief im Facebook Newsfeed auf, der so beginnt: „Liebe Facebook-Freunde, auch ich schließe mich nun an und ändere diesen Facebook Algorithmus, da ich …“ Der Brief ist ziemlich sinnlos, glücklicherweise schadet er aber auch nicht. Inzwischen gibt es viele abgewandelte Formen des Statusbeitrags. Darin geht es nicht mehr darum den „Facebook-Algorithmus zu ändern“, sondern nur noch darum, die Ergebnisse zu beeinflussen. Die Ziele sind jedoch gleich.

Facebook Algorithmus lässt sich nicht beeinflussen

Screenshot: Neuer Facebook Hoax
Abgewandelte Form des Facebook Hoax

Mit dem Algorithmus definiert Facebook, was im Newsfeed auftaucht. Es sind Handlungsvorschriften, die von dem Konzern vorgegeben werden. Der Algorithmus ist selbstverständlich nicht öffentlich, der Konzern gibt aber regelmäßig Infos zu Updates. Die Zahl der Werbeposts ist größer geworden und vor allem ist die durchschnittliche Zahl der Freunde stark angestiegen und damit auch der Umfang der Inhalte. Von daher ist die Wahrscheinlichkeit, alles zu sehen deutlich geringer geworden. Facebook muss den Algorithmus regelmäßig anpassen, um die bedeutensten Ergebnisse anzuzeigen.

Facebook will Interaktionen mit Freunden

Im Januar 2018 hat Facebook angekündigt, „die Menschen näher zusammenbringen“  zu wollen. Dazu gab es ein großes Update. Kern der Aussage war, Beiträge von Freunden und der Familie zu priorisieren und die Beiträge zu stärken, die für Diskussionen und Interaktionen sorgen.

Das Märchen der 25 FB-Freunde

Facebook hat ein großes Interesse daran, die privaten Verbindungen der Nutzer zu fördern. Bereits im Februar 2018 hat ein FB-Sprecher in einer Antwort auf eine Anfrage der Washington Post die Aussage im Kettenbrief dementiert: Die Zahl der sichtbaren Freunde wird nicht auf 25 begrenzt; der Facebook-Hoax ist aus den USA nach Deutschland gekommen.

Facebook kennt die Nutzer ausgesprochen gut

Diese Aussage widerspricht sogar der Facebook-Philosophie, Interaktion zu stärken. Im Newsfeed angezeigt werden die Interessen der Nutzer extrem berücksichtigt. In einer Studie haben Wissenschaftler bereits 2015 nachgewiesen, dass Facebook uns besser kennt, als unsere Freunde oder sogar unsere LebenspartnerInnen. Schon zehn Likes haben ausgereicht, damit Facebook einen Menschen besser einschätzen konnte, als ein Arbeitskollege.

Jede Reaktion wird analysiert und bewertet

In einem Erklärvideo zum Newsfeed erläutern die Mitarbeiter, dass alle Reaktionen und Interaktionen analysiert werden, um die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, ob sie für den einzelnen Nutzer interessant sind: „Auf dieser Basis ermitteln wir einen Relevanzwert, dass heißt, jeder einzelne Artikel, jeder einzelne Beitrag, jedes einzelne Video bekommt diesen Wert und hilft uns, die Beiträge im Newsfeed zu sortieren.“ Das bringt zwei Vorteile für Facebook.

  1. Die Nutzer loggen sich häufiger auf Facebook ein, je relevanter der Newsfeed ist.
  2. Je besser Facebook den Nutzer kennt, umso gezielter und erfolgreicher ist die Werbeanzeige.

Reichweite von kommerziellen Fanseiten bricht sein

Dabei wird es immer schwerer für Firmen und Agenturen, kommerzielle Inhalte zu platzieren. Seit Jahren geht die organische Reichweite zurück, weil  die Firmen Werbung auf Facebook schalten sollen. Deshalb müssen die Agenturen Posts so gestalten, dass sie sich im besten Fall viral verbreiten. Dazu ist es wichtig, nicht nur das Userverhalten zu kennen, sondern auch den Facebook Algorithmus zu interpretieren und die Formen zu nutzen, die von Facebook gefördert werden. So wurden zu Beginn es Jahres 2018 vor allem Videos bevorzugt.

Warum der Kettenbrief sinnlos ist

Unter dem Strich kann Facebook also gut sortieren, was uns von unseren Freunden interessiert und was nicht. Laut Brandwatch hat jeder Nutzer durchschnittlich 338 Freunde, der Median liegt bei 200. Berücksichtigt man zusätzlich noch, dass nur jeder Dritte ein aktiver Nutzer ist (Quelle: Statista, 2016), der auch Posts verfasst und kommentiert. Die Zahl derer, die durch das Raster fallen, wird damit schnell sehr überschaubar. Außerdem ist es paradox den Kettenbrief zu teilen, weil ihn genau die Freunde zu sehen bekommen, die die eigenen Nachrichten im Newsfeed ausgespielt bekommen.

Freundesliste durchschauen und Nachrichten abonnieren

Wer es nicht glaubt, kann in seiner Freundesliste mal ganz weit nach unten scrollen und Profile anklicken. Dabei fällt nämlich auf, dass Menschen, die regelmäßig und häufig Facebook nutzen, die Mitteilungen eh ausgespielt bekommen.

Zusätzlich lassen es die Einstellungen zu, Nachrichten von Freunden zu priorisieren. Die Schaltfläche „Abonnieren“ bzw. „Abonniert“ im Profil des Freundes bietet die Möglichkeit, „Neuigkeiten als Erstes“ anzuzeigen.

Warum der Hoax manchmal trotzdem erfolgreich ist

Und trotzdem kann der Brief auch erfolgreich sein. Nämlich dann, wenn eine rege Diskussion, zum Beispiel über den Sinn dieses Briefs entbrennt. Denn das ist genau das, was Facebook möchte: Interaktion.

Wenn Sie Hilfe im Umgang mit den Sozialen Netzwerken oder Suchmaschinenoptimierung benötigen, setzen Sie sich mit uns in Verbindung.