Den Facebook Algorithmus ändern?

Der Facebook Algorithmus lässt sich nicht ändern; auch nicht mit einem „Hallo“. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist, dass sich die Ergebnisse sehr wohl beeinflussen lassen Facebook selbst nennt die vier wichtigsten Ranking-Faktoren.

Inhalt: Facebook Algorithmus beeinflussen

Kettenbriefe im Newsfeed

Screenshot vom Facebook-Algorithmus Hoax
Beispiel für den Facebook-Algorithmus Hoax

Regelmäßig tauchen Kettenbriefe im Facebook Newsfeed auf, die in etwa so beginnen: „Liebe Facebook-Freunde, auch ich schließe mich nun an und ändere diesen Facebook Algorithmus, da ich …“

Eine weitere Variante ist: „Danke für den Rat, die Algorithmen von Facebook zu umgehen, …“ Die Brief sind ziemlich sinnlos, glücklicherweise schaden sie aber auch nicht. Inzwischen gibt es viele abgewandelte Formen des Statusbeitrags. Darin geht es nicht mehr darum den „Facebook-Algorithmus zu ändern„, sondern nur noch darum, die Ergebnisse zu beeinflussen. Die Ziele sind jedoch gleich.

Facebook Algorithmus lässt sich nicht ändern

Screenshot: Neuer Facebook Hoax
Abgewandelte Form des Facebook Hoax

Mit dem Algorithmus definiert Facebook, was im Newsfeed auftaucht. Es sind Handlungsvorschriften, die von dem Konzern vorgegeben werden. Der Algorithmus ist selbstverständlich nicht öffentlich. Aber: Facebook gibt regelmäßig Infos zu Updates.

Die Zahl der Werbeposts ist größer geworden und vor allem ist die durchschnittliche Zahl der Freunde stark angestiegen und damit auch der Umfang der Inhalte. Von daher ist die Wahrscheinlichkeit geringer geworden., alles zu sehen deutlich Facebook muss den Algorithmus regelmäßig anpassen, um die bedeutendsten Ergebnisse anzuzeigen.

Facebook will Interaktionen mit Freunden

Facebook schreibt in seinem Blog, dass auf der Plattform Menschen gestärkt werden sollen, die anderen helfen. Weiteres Ziel ist, kleine Unternehmen zu stärken (‚Small Business‘).

Im Januar 2018 hatte Facebook angekündigt, „die Menschen näher zusammenbringen“  zu wollen. Dazu gab es ein großes Update. Kern der Aussage war, Beiträge von Freunden und der Familie zu priorisieren und die Beiträge zu stärken, die für Diskussionen und Interaktionen sorgen.

Das Märchen der 25 FB-Freunde

Facebook hat ein großes Interesse daran, die privaten Verbindungen der Nutzer zu fördern. Bereits im Februar 2018 hat ein FB-Sprecher in einer Antwort auf eine Anfrage der Washington Post die Aussage im Kettenbrief dementiert: Die Zahl der sichtbaren Freunde wird nicht auf 25 begrenzt; der Facebook-Hoax ist aus den USA nach Deutschland gekommen.

Facebook kennt die Nutzer ausgesprochen gut

Diese Aussage widerspricht sogar der Facebook-Philosophie, Interaktion zu stärken. Im Newsfeed angezeigt werden die Interessen der Nutzer extrem berücksichtigt. In einer Studie haben Wissenschaftler bereits 2015 nachgewiesen, dass Facebook uns besser kennt, als unsere Freunde oder sogar unsere LebenspartnerInnen. Schon zehn Likes haben ausgereicht, damit Facebook einen Menschen besser einschätzen konnte, als ein Arbeitskollege.

Jede Reaktion wird analysiert und bewertet

In einem Erklärvideo zum Newsfeed erläutern die Mitarbeiter, dass alle Reaktionen und Interaktionen analysiert werden, um die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, ob sie für den einzelnen Nutzer interessant sind: „Auf dieser Basis ermitteln wir einen Relevanzwert, dass heißt, jeder einzelne Artikel, jeder einzelne Beitrag, jedes einzelne Video bekommt diesen Wert und hilft uns, die Beiträge im Newsfeed zu sortieren.“ Das bringt zwei Vorteile für Facebook.

  1. Die Nutzer loggen sich häufiger auf Facebook ein, je relevanter der Newsfeed ist.
  2. Je besser Facebook den Nutzer kennt, umso gezielter und erfolgreicher ist die Werbeanzeige.

Reichweite von kommerziellen Fanseiten bricht sein

Dabei wird es immer schwerer für Firmen und Agenturen, kommerzielle Inhalte zu platzieren. Seit Jahren geht die organische Reichweite zurück, weil  die Firmen Werbung auf Facebook schalten sollen. Deshalb müssen die Agenturen Posts so gestalten, dass sie sich im besten Fall viral verbreiten. Dazu ist es wichtig, nicht nur das Userverhalten zu kennen, sondern auch den Facebook Algorithmus zu interpretieren und die Formen zu nutzen, die von Facebook gefördert werden. So wurden zu Beginn es Jahres 2018 vor allem Videos bevorzugt.

Warum der Kettenbrief sinnlos ist

Unter dem Strich kann Facebook also gut sortieren, was uns von unseren Freunden interessiert und was nicht. Laut Brandwatch hat jeder Nutzer durchschnittlich 338 Freunde, der Median liegt bei 200. Zusätzlich gilt, dass nur jeder Dritte ein aktiver Nutzer ist (Quelle: Statista, 2016), der auch Posts verfasst und kommentiert. Die Zahl derer, die durch das Raster fallen, wird damit schnell sehr überschaubar. Außerdem schreibt Facebook, dass jeder die Nachrichten seiner Freunde eh abonniert hat.

Freundesliste durchschauen

Zusätzlich lassen es die Einstellungen zu, Nachrichten von Freunden zu priorisieren. Die Schaltfläche „Abonnieren“ bzw. „Abonniert“ im Profil des Freundes gibt es nur noch für Seiten, deren Privatsphäre auf öffentlich steht. Kontrollieren kann man das für die eigene FB-Seite am PC oder Laptop mit folgendem Weg:

  1. Dreieck oben rechts klicken
  2. ‚Einstellungen und Privatsphäre‘ klicken
  3. ‚Einstellungen‘ klicken
  4. Auf der linken Seite auf ‚Öffentliche Beiträge‘ klicken
  5. Im obersten Punkt ‚Wer mich abonnieren kann‘ ‚Freunde‘ oder ‚Öffentlich‘ auswählen

Freunde organisieren

Eine weitere Möglichkeit, den Newsfeed zu steuern, bieten die Freundeslisten. Auf dem Profil des jeweiligen Freundes gibt es eine kleine Schaltfläche mit dem Piktogramm einer Person. Hier lässt sich die Person zu den Favoriten hinzufügen oder die Freundesliste bearbeiten. Diese Beiträge werden laut Facebook im Newsfeed höher gerankt.

Facebook: die vier wichtigsten Ranking-Faktoren

Zusammengefasst gibt es vier wichtige Ranking-Faktoren im Facebook-Algorithmus:

Die vier wichtigsten Ranking-Faktoren bei Facebook
Die vier Facbook-Ranking-Faktoren
  1. Die Zahl der Interaktionen mit Freunden, Gruppen und Seiten ist entscheidend, wobei Facebook Freunde und Familie bevorzugt. Das heißt, wenn ich viel in einer Gruppe like, teile oder kommentiere, bekomme ich auch viel angezeigt.
  2. Der Beitragstyp spielt eine große Rolle, also was ich bevorzugt klicke, zum Beispiel, Videos, Fotos oder Links
  3. Die Anzahl der Reaktionen: Ein Beitrag, der viel geklickt wird, wird auch mehr angezeigt. Dahinter steckt die Überlegung, dass den Inhalt auch schon andere User interessant fanden.
  4. Die Aktualität des Beitrags ist ebenfalls wichtig. Neue Inhalte werden besser ausgespielt als ältere.

Warum der Hoax manchmal trotzdem erfolgreich ist

Und trotzdem kann der Brief auch erfolgreich sein. Nämlich dann, wenn eine rege Diskussion, zum Beispiel über den Sinn dieses Briefs entbrennt. Denn das ist genau das, was Facebook möchte: Interaktion.

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