Videos drehen mit dem Smartphone


Smartphone Videos drehen? Mit den aktuellen IOS oder Android-Handys können die Videos auch direkt geschnitten werden. In diesem Beitrag geht es darum, kleine Filme für die Homepage zu erstellen. Videos eignen sich auch als Ergänzung zur Presseinladung oder Pressemitteilung. Dieser Text richtet sich an Praktiker und ersetzt kein Lehrbuch. Dazu gehört vor allem auch, die Grenzen des Möglichen und Sinnvollen zu erkennen.

Die Ausrüstung

Auch wenn bereits sehr günstige Smartphones die Möglichkeit bieten, Full-HD-Videos zu drehen, sollte es schon eine Klasse besser sein. Gerade bei den Kameras der Smartphones gibt es große Qualitätsunterschiede. Ein guter Anhaltspunkt ist, ob die Kamera über einen optischen Bildstabilisator verfügt. Das Beispielvideo ist mit einem iPhone 8 gedreht worden.

Mini-Stativ und Smartphone-Halterung

Ministativ und Klemme, um Videos zu drehen mit dem Smartphone
Videos drehen mit dem Smartphone: Stativ und Klemme sollten dabei sein.

Abgesehen davon lohnt sich trotzdem die Anschaffung eines Mini-Stativs und einer Smartphone-Halterung. Beides zusammen kostet weniger als 20 Euro.

Kein Gimbal zum Start

Ab rund 80 Euro gibt es Gimbals. Die Einhandstative balancieren das Handy mit mehreren Motoren aus. Über eine entsprechende App lässt sich in der Regel auch eine Verbindung aufbauen und das Handy steuern, so dass auch Ranfahrten, Schwenks und Aufzieher möglich sind.

Gimbals ermöglichen Aufnahmen, für die vor wenigen Jahren noch eine Profi-Ausrüstung nötig war. Die Weiterentwicklung hat aber auch dazu geführt, dass sich die Arbeit häufig an den technischen Möglichkeiten orientiert und dabei das Filmen vergessen wird.

Storytelling

Grundsätzlich erzählt jeder gute Film eine Geschichte. Er hat einen Anfang, einen Hauptteil und einen Schluss. Die Protagonisten stehen vor einer Herausforderung, die sie lösen. Im Fall des Beispielvideos könnte das die Vorbereitung auf den ersten Marathon sein. Das schwere aber realistische Ziel wäre der erste 20 Kilometer Lauf in weniger als zwei Stunden.

Eine Untersuchung von HubSpot hat gezeigt, dass vier von fünf Internetnutzern Videos sehen und dabei unterhalten werden möchten. Mit den Informationen dieses Beitrags können Sie dem Anspruch nicht gerecht werden Er liefert aber die notwendig Basis, um sich das Storytelling zu erarbeiten. Und er liefert die Grundlage, um Info-Clips zu drehen und zu schneiden. Denn immerhin drei von fünf Internetnutzern wünschen sich informative Videos. Um eine neue Software, ein neues Gerät oder Kleidung im Video vorzustellen, ist ein solides Grundwissen notwendig, das hier vermittelt wird.

Feste Einstellungen zum Start

Für ein erstes kleines Homepagevideo sind zehn bis 15 Einstellungen nötig. Im Schnitt kann jede zwischen zwei und sechs Sekunden lang sein, so dass das Video am Ende etwa 40 Sekunden lang ist. Für den Anfang ist das genug. Für längere Filme ist ein gutes Storytelling die Voraussetzung.

Drehplan mit unterschiedlichen Einstellungsgrößen

Ob Sie einen Plan mit unterschiedlichen Einstellungen aufschreiben oder ihn nur im Kopf haben – das bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist, vorbereitet zu drehen. Grundsätzlich sollten Sie sich klar darüber sein, wo der Film gezeigt werden soll. Die Größe des Bildschirms hat einen Einfluss darauf, wie sie drehen. Auf einem 50“ Fernseher mit UHD-Auflösung erkennen Sie mehr Details, als auf dem 4,7“-Displays des Handys. Dementsprechend kleinteiliger dürfen die Bilder für das Fernsehen sein und sie können länger gezeigt werden als auf einem Handy.

Nahe, Halbtotale und Totale

Wobei aber grundsätzlich gilt: Es wird zwischen drei Einstellungsgrößen unterschieden: nah, halbtotal und total. Wenn Sie Videos drehen, benötigen Sie immer Naheinstellungen und mindestens eine Totale. Denken Sie auch über unterschiedliche Perspektiven nach und wie sie das Bild gestalten.

Sparsam zoomen und schwenken

Planen Sie ohne Zooms und Schwenks, nicht das Bild soll sich bewegen, die Bewegung soll im Video sein. Jeder Film lässt sich mit festen Einstellungen schneiden. Gerade Anfänger haben Probleme damit, die Bewegungen sauber auszuführen, Start- und Endbild sind meist nicht sauber, so dass die Filme hinterher laienhaft wirken. Wenn Sie nicht darauf verzichten möchten, planen Sie die Clips zusätzlich ein.

Videos drehen: goldener Schnitt

Eine Grundregel ist der goldene Schnitt, der ein Bild in etwa drittelt. Das heißt, wenn Sie Videos drehen, sollte der Himmel nicht das halbe Bild einnehmen, sondern entweder einen Drittel oder zwei Drittel. Ansonsten gilt: je mehr Einstellungen Sie haben, umso mehr Möglichkeiten haben Sie im Schnitt.

Für das Beispielvideo bedeutet das:

Naheinstellungen:

  • Schuhe groß beim Laufen von vorne, von hinten, von der Seite.
  • Uhr
  • Gesicht
  • Schuhe von oben (Subjektive)

Halbtotale:

  • Läufer schräg von hinten und von vorne

Totale:

  • Läufer auf einem Feldweg von vorne und hinten
  • Läufer im Wald, seitlich von vorne und von hinten

Wer die Liste abarbeitet, kann sich sicher sein, ein verwertbares Ergebnis zu bekommen. Der Plan ist jedoch nur das Grundgerüst. Es lohnt sich immer, auch spontane Ideen umzusetzen. In dem Laufvideo sind zusätzlich Aufnahmen, bei denen ich das Smartphone in der Hand halte, mich von unten filme und zwischen den Bäumen durchlaufe. Obwohl die Aufnahmen sehr unruhig sind, wirken sie natürlich und funktionieren in Kombination mit den statischen Einstellungen. (Mit einem Gimbal wären die Aufnahmen perfekt gewesen.)

Schärfe und Helligkeit beachten.

Auf die Schärfe des Bildes muss bei Smartphones kaum geachtet werden. Der Grund ist, dass es wegen der kleinen Sensoren kaum Unterschiede gibt. Anders ist das bei der Helligkeit. Vor dem Dreh der Einstellung sollte die Blende gesperrt werden. Die funktioniert in der Regel so, dass man so lange auf den Smartphone-Bildschirm tippt, bis ein entsprechender Hinweis erscheint.

Wäre der AE-Lock nicht eingeschaltet, würde zum Beispiel das erste Bild im Beispielfilm automatisch heller werden, sobald die schwarze Hose zu sehen ist. Dies führt zu einem Flackern, was zum Beispiel in Ansätzen bei subjektiven Einstellung des Laufs durch den Wald zu sehen ist.

Der Schnitt

Das Beispielvideo habe ich direkt mit dem iPhone geschnitten, iMovie gehört zu den besten Apps für kleine Videos. Die Android Galerie-App ist ebenfalls gut geeignet. Verzichten Sie beim Schnitt vorerst vollständig auf besondere Effekte und Übergänge. Auch wenn iMovie die Clips blenden möchte, ein harter Schnitt funktioniert auch. Jeder Effekt soll eine besondere Wirkung erzielen, zu viele Filter, Blenden und Zeitlupen erzeugen Chaos.

Die Clips können Sie einfach per drag and drop anordnen. Eine Naheinstellung zum Start erzeugt Spannung, eine Totale ermöglicht die Einordnung. Wie Sie das Video beginnen, bleibt Ihnen überlassen. Grundsätzlich funktioniert es gut, wenn Sie entweder Naheinstellungen oder unterschiedliche Einstellungsgrößen aneinanderschneiden. Die Totale ermöglicht einen Gesamteindruck, anschließend können Sie mit nahen Einstellungen den Fokus auf Details lenken. Im Beispielvideo ist das der Schnitt von der Strecke zur Uhr oder von der Totalen auf die Schuhe. Jede Einstellung sollte mindestens eine Sekunde zu sehen sein, sind viele Details, dann entsprechend länger. Die einzelnen Clips lassen sich problemlos kürzen.

Ton anpassen

Zum Schluss sollten Sie noch den Ton angleichen. Wenn Sie mit dem Smartphone drehen, dann ist üblicherweise der Ton der totalen Einstellungen leiser, als bei den nahen. Achten sie deshalb darauf, die Lautstärke anzupassen. Wenn Sie an einem Laptop oder PC schneiden, können sie außerdem den Ton zwischen den Clips überblenden.

Video exportieren

Die einfachste Form das Video bereitzustellen ist der direkte Export zu YouTube oder Vimeo. Auflösung und Dateigröße sind vorgeben. Das Beispielvideo wurde jedoch als Datei exportiert. Mit einem Videokonverter wurden anschließend beide Seiten beschnitten und das Video verkleinert. Der Grund dafür sind Überlegungen zur Suchmaschinenoptimierung. Da Google die mobilen Seiten der Internetseiten indexiert, ist es sinnvoll, die Filme quadratisch oder hochkant in die Seite einzubinden.

Grenzen der Smartphone-Videos

Neuere Smartphones bieten unfassbar viele Möglichkeiten, Videos zu drehen. Für gute Ergebnisse ist aber eine gute Selbsteinschätzung notwendig. Wer keine Erfahrung hat und auch das Storytelling nicht beherrscht, wird kein vernünftigen Film hinbekommen, der länger als eine Minute ist. Falls doch, ist es ein spektakuläres Ereignis und/oder ein Glücksfall.

Interviews und Vertonung

Wenn Sie Interviews oder O-Töne mit in den Film einbauen möchten, so geht das nicht ohne zusätzliche Ausrüstung. Für Smartphones gibt es externe Mikrofone. Achten Sie darauf, dass der O-Ton-Geber rechts oder links von der Mitte (im goldenen Schnitt) angeordnet ist. Er schaut nicht direkt in die Kamera, sondern ins Bild hinein. YouTube bietet eine automatische Untertitelung an. Diese funktioniert relativ gut, sofern der Interviewpartner deutlich spricht und das Thema nicht zu ausgefallen ist. Kontrollieren Sie auf jeden Fall das Ergebnis. Wenn Sie Videos drehen ohne große Erfahrung, sollten sie auf O-Töne verzichten.

Das gilt auch für die Vertonung. Die Stimme muss fest und klar sein. Wenn Sie mit dem Smartphone aufzeichnen, dann sollte die Umgebung ruhig sein. Bedenken Sie dabei aber, dass gerade Social-Videos, zum Beispiel für Facebook, auch ohne Ton funktionieren müssen.

Licht

Smartphones sind inzwischen so gut, dass sogar kurze Fernseh-Beiträge damit gedreht werden können. Bei gutem Licht ist die Qualität mehr als ausreichend. Bei schlechten Lichtverhältnissen stößt die Technik aber an ihre Grenzen. Ein Beispiel sind geschlossene Räume. Wenn sich der Dreh nicht vermeiden lässt, vermeiden Sie gegen die Fenster zu filmen, damit der Kontrast nicht zu groß ist.

Eintägiger Workshop für den Start

Wenn Sie die Tipps berücksichtigen, werden Sie bereits innerhalb weniger Tage in der Lage sein, Homepagevideos zu drehen. Bei Interesse unterbreite ich Ihnen gerne ein unverbindliches Angebot für einen eintägigen Workshop, in dem wir konkrete Projekt für Ihren Bedarf umsetzen. Das Beispielvideo habe ich innerhalb von 15 Minuten während eines Sonntagslaufs gedreht und in weiteren 15 Minuten geschnitten.